Bel ami (2012)

Zur Verfilmung des gleichnamigen Klassikers von Guy de Maupassant, Regie: Declan Donnellan, Nick Ormerod; mit solch bekannten Darstellern wie Robert Pattinson, Uma Thurman, Kristin Scott Thomas und Christina Ricci.

„Nicht wenig Männer haben kein anderes Innenleben als das ihrer Worte, und ihre Gefühle beschränken sich auf eine rein verbale Existenz.“ (José Ortega y Gasset, Liebe)

Was ist der Zauber Bel Amis, der ihm die Frauen in die Fänge treibt wie der aasige Duft einer Venusfliegenfalle ihre Opfer? Sein Aussehen? Sein Charme? Es gibt viele hübsche Männer (und bedeutend hübschere als Robert Pattinson) und der Charme dieser eitlen Tölpelfigur liegt höchstens in ihrer ungenierten, ja dreisten Unbeholfenheit. Die Frauen scheinen aus gutmütiger Hilfsbereitschaft dem sinnlichen Reiz äußerlicher Schönheit zu verfallen; Leere, geschmückt mit Selbstbewusstsein, zieht Projektionen an. Und weil der ehemalige Unteroffizier Georges Duroy in jeder Frau etwas Nützliches sieht, finden er und seine Gespielinnen zumindest für die Dauer, in denen sie ihm dienlich sind, Gefallen aneinander. Nützlich ist ihm unter diesem Blickwinkel selbst der Genuss, das körperliche Vergnügen mit einer hübschen Frau. Ihr kann er vertrauen, weil sie ihm in derselben Art ergeben ist, wie er ihr, man kennt sich, liebt und betrügt sich auf dieselbe Art.

Wer das Buch kennt, ahnt, wohin die Regisseure mit der Neuverfilmung wollten. Sie stellt Georges Duroy in einer Weise in den Mittelpunkt, die seine„Leere“, die Madeleine ihm zum Vorwurf macht, zum allesbestimmenden Thema werden lässt. Das entspricht ganz und gar Maupassants Geschichte, ein Aufsteiger, der berechnend, kaltblütig und skrupellos aus einer alltäglichen Charakterlosigkeit heraus Frauen benutzt, um seine Herkunft als Bauernsohn hinter sich zu lassen und schließlich Millionär wird, dabei aber keinerlei Kultiviertheit entwickelt. Und Pattinson korrespondiert damit ganz ausgezeichnet, so wie er als Meyer’scher Vampirer in den Augen von Millionen naiver Mädchen prächtig funktionierte , weil er sich, wie mir anhand der Bel-ami-Rolle aufging, nie preisgeben musste. Er hat ein außergewöhnlich glattes Leinwandgesicht und verkörpert perfekt Figuren, deren Innenleben, soweit vorhanden, hinter der statuenhaften Oberfläche verborgen bleibt. Jede Geste, jede Miene, jedes Gefühl wirkt kalkuliert, nicht unmittelbar, wie das bei leidenschaftlichen Menschen/Figuren der Fall ist. Selbst wenn dies schlechte Schauspielkunst wäre, repräsentierte er perfekt einen bestimmten Typus und ist richtig besetzt, folgt man dem, wie Maupassant nicht nur das Psychogramm eines glücklichen Emporkömmlings schilderte, sondern ein gesellschaftliches Phänomen.

Um daraus allerdings einen packenden Film zu machen, hätte es einer Modifikation des Stoffes bedurft, der eine Identifikation mit den Opfern oder eine tiefergehende Einsicht in die Beweggründe, den Antrieb der titelgebenden Figur ermöglicht hätte. Obwohl das Ziel dieser Inszenierung in gewisser Weise gelungen ist (es kam an), stimmt etwas nicht mit einem Film, wenn er langweilt. Und das tut er, im Gegensatz zum Buch, es fehlt die Ironie, eine paradoxe Losgelassenheit und Hingabe im darstellerischen Spiel. Pattinson wirkt zu wenig doppelbödig/zu ernsthaft, was eine mangelnde Chemie zwischen ihm und den Damen zur Folge hat. So schien mehr der Ruf des Schauspielers als das Auftreten Duroys den Erfolg bei der erlesenen Damenriege (Thurman, Ricci, Scott Thomas) dramaturgisch zu begründen. Das Gesamtergebnis ist ein Jammer – eine gute Geschichte mit einer guten Ausstattung und guten Schauspielern bleibt im oberflächlichen Mittelmaß stecken und hinterlässt nicht mehr als einen schalen Geschmack, was garantiert nicht von den Machern intendiert war.

(KudV)