Traurig-schöne Musik aus dem hohen Norden: Basta Fou – Kerzenblau

Wenn Mitglieder einer erfolgreichen Band eigene Wege gehen, leiden sie oft darunter, an ihrem vorigen Schaffen gemessen zu werden. Eigentlich glücklich, sich nun künstlerisch ohne Zugeständnisse ganz ihren Vorlieben entsprechend entfalten zu können, ist die Erwartungshaltung des Publikums in erster Linie die, dass es so klingen möge wie das Kollektiv, aus dem sich der betreffende Künstler oder die Künstlerin –     ob nun in Frieden oder als Folge schmerzhafter Auseinandersetzungen – gelöst hat. Und wenn dies nicht der Fall ist, dann soll es wenigstens noch großartiger klingen.

Der einem solchen Kollektiv Entsprungene ist in diesem vorliegenden Fall Mike Pelzer, ehemals einer der Köpfe der Krefelder Musiker von M.Walking On The Water, deren Triumphe allerdings schon einige Zeit zurück liegen und die, was den kommerziellen Erfolg betrifft, nie zu den ganz Großen gehörten, weshalb die Veröffentlichung dieses Albums kaum die Aufmerksamkeit von Journalisten der bekannteren Magazine des Genres erregen wird. Hinzu kommt, dass der auf dem kleinen Bremer Label Fuego erschienene Tonträger wohl nur in die wenigsten Plattenläden der Republik gelangen, zudem kaum beworben und somit selbst jene, die sich dafür interessieren könnten nie erreichen wird.

Leider, muss man sagen, und es wäre interessant zu erfahren, was mit Musik wie     dieser passieren würde, fände sie größere Verbreitung. Diese Frage stellte man sich schon bezüglich Pelzers erstem Bandprojekt der nach M.Walking-Zeit, Gloss. Deren Debut-Album From Oaxaca to Puerto, einem wunderbar melancholisch-romantischen, ganz und gar eigenen Pop-Album hatte auch schon nicht den Weg in die Charts geschafft, was, wie ein recht pragmatischer Kommentar in einer Plattenkritik lautete, „schade für die Motivation der Musiker sein mag, dem interessierten Besucher der anstehenden Gloss-Auftritte aber das Vergnügen bereitet, die Musik nicht in drangvoller Enge erleben zu müssen.“ Nun, so kann man das natürlich auch sehen. Bedauerlich ist es dennoch, zumal der Melodienreichtum dieser Musik das Potenzial hatte (und hat), sich eine größere Fangemeinde zu erschließen.

Nun macht der Multi-Instrumentalist Pelzer, der sich neben dem Musizieren mittlerweile auf die professionelle Reparatur und Instandsetzung alter Yachten spezialisiert hat und seit einigen Jahren auch familiär eingebunden ist, nicht den Eindruck, als sei es ihm darum zu tun an die Erfolge alter Zeiten anzuknüpfen. Eine dreimonatige Tournee durch die Republik wäre ihm mittlerweile vermutlich mehr      Last als Vergnügen.

Schon nach den ersten Liedern der vorliegenden CD wird deutlich, dass dies nicht mehr allzu viel zu tun hat mit den Bands von damals. Weder an M.Walking On The Water (mit denen dieser mittlerweile wieder tourt, siehe dazu den Beitrag in der Rubrik ‚Konzert‘ vom Dezember) noch an Gloss erinnert diese Musik. Das Akkordeon ist noch dabei (hier allerdings nicht von Pelzer selbst gespielt) und natürlich die Stimme, die bei MWOTW stets den sanften Gegenpol des eher morbiden Klangs der Stimmbänder seines kongenialen Gesangpartners Markus Maria Jansen darstellte. Gesungen wird nun auf Deutsch.

Auch wird klar, dass eine solche Musik nicht südlich von Hamburg entstanden sein kann. Vom Meer ist die Rede, von Flut und Watt und Gischt, von Sand und Sandbänken, von Wind und Wellen. Und tatsächlich ist ein örtlich nördlich-nordischerer Entstehungsprozess kaum denkbar – am äußersten Hoch-Zipfel der Republik, in Flensburg, und zudem auch noch zu großen Teilen auf einem Schiff, ist diese Platte entstanden. Akkordeon und Trompete sind die tragenden Instrumente der insgesamt 14 Lieder, dazu die klassische Besetzung von Gitarre, Bass und Schlagzeug und viel Background-Gesang und Chor.

Ein Basslauf eröffnet die CD. „Mit strahlenden Augen, wo immer du gehst, mit strahlenden Augen, das Ziel ist der Weg“ lautet der recht eingängige Refrain des ersten Liedes, das die Richtung für den weiteren Verlauf vorgibt. Melancholisch und warm klingt das, und die Pelzer-Texte sind so feinfühlig und persönlich, dass man mitunter fast etwas peinlich berührt ist, einen solch intimen Einblick in das Gefühlsleben eines einem nicht näher bekannten Menschen zu bekommen. Das trifft auch auf das Titelstück zu, das mit fast identischem Text und musikalisch ähnlichen Motiven unter dem Titel Candle Blue auf dem letzten MWOTW-Tonträger Flowers For The Departed (2011) erschienen ist. „Guten Morgen meine Frau, Du verschläfst den Tau der Einsamkeit“ lautet, von launigem Bläserthema begleitet, der trotzig-heitere Einstieg. Doch im Refrain wenden sich Musik und Text dann in Moll: „Denn es fiebert mein Herz und es bleibt kaum Zeit für den Schmerz“.

„Acker“, der vielleicht versöhnlichste, vielleicht schönste Titel des Albums, ein Lied auf den Frühling, der die Lebensgeister zumindest zeitweise wieder erwachen lässt, selbst wenn diese zwischenzeitlich arg ermattet schienen.

Die Kinderstimme in „Apfelbaum“ lässt keinen Zweifel daran, wer hier besungen wird: „Du bist kein Pessimist, keiner der alles frisst, bist nur ein kollabierender Artist“. Das Ganze kommt so unangestrengt daher, dass man sich an den gelegentlichen lyrischen Sperrigkeiten nicht stört.

Selbst ein musikalisch so uneingeschränkt fröhliches Gute-Laune-Lied (mit Hit-Charakter!) wie „Wenn Du singst“ erzählt von den Kompromissen und dem nicht Planbaren. Ein Text, der auch in musikalisch weniger heiterem Gewand nicht unpassend daherkommen würde. So aber geht es auch. Nur: von der Melodie sollte man sich eben nicht täuschen lassen. Die zuweilen allzu deutliche Fröhlichkeit dieser Lieder ist immer auch etwas trügerisch.

Durch „Diese Wunde“ zieht sich die klagende Stimme des Opern-Bariton Joa Helgesson, während fast flehend die Frage aufgeworfen wird: „Wann wird schließen die Wunde?“ Das klingt pathetisch, wird aber durch die Verspieltheit des Akkordeons aufgefangen und verhindert jeden Anflug von Peinlichkeit. In hohem Maße originell ist das, dabei ist die Gefahr des Scheiterns hier groß. Das gilt für das gesamte Album – jeder Anflug von Pathos wird durch diese Unaufgeregtheit neutralisiert.

Von der nicht heilen wollenden Wunde ist auch in „Verglühen“ die Rede. Ein ruhiges, vom Klavier begleitetes und von einer wunderschönen Bläsermelodie getragenes Lied.

Mit „Halt Deine Hand“ werden wir aus dem Basta Fou-Kosmos entlassen. Auch hier geht es wieder um Verlust und das, was trotzdem Bestand hat. „Das Lächeln, das ich in dir sah, bleibt fest in mir, bleibt hell und klar“. Das traurigste Lied des Albums, traurig und schön – der Klang des Lebens.

Pelzer und seine Band haben einerseits ein Gespür für große Emotionen – da sich in die Euphorie aber immer auch der Schmerz und das Unzulängliche mischen, eben die Zumutungen des Daseins, verliert sich die Musik nie ins allzu Gefühlige.

Die Trompete und die lyrischen Texte lassen einen an ‚Element Of Crime‘ denken (besonders in „Linden“), ‚Meta-Folk‘ nennt die Band selbst ihren Stil, ein wenig hilfreicher Versuch einer ohnehin überflüssigen Kategorisierung. Wie einst der Sound von Gloss sind auch Basta Fou schwer mit anderer Musik zu vergleichen. Es ist ein ganz eigener musikalischer Kosmos, ohne den Anspruch, ganz und gar anders oder neu  klingen zu wollen. Dafür sorgt schon Pelzers signifikante Liedermacher-Stimme in Kombination mit der fast alle Songs dominierenden Trompete und Akkordeon.

Sympathisch auch, dass ein so unüberhörbar von auch schmerzhaften Erfahrungen geprägtes Album in so ein leichtes, im besten Sinne schlichtes Cover gehüllt ist.              Ein  blauer (kerzenblauer?) Buchdeckel. Mehr nicht. Das passt zu dem in keinem Ton Wichtigtuerischem, von dem deutschsprachige Musik leider allzu oft geprägt ist.

Es ist ein Album über die Erkenntnis, dass die freudigeren Abschnitte des Daseins ohne die sich über ihm gelegentlich oder auch mehr als verträglich ausbreitenden dunklen Schatten nicht so intensiv erlebbar wäre. Das mag banal klingen, ist aber eben der Stoff, aus dem alle nennenswerte Kunst stets entstanden ist. Traurig, heiter, schön.

Man wünscht diesem Werk eine breitere Aufmerksamkeit, was aus den eingangs erwähnten Gründen schwierig sein wird, denn in die CD-Regale jenseits von Flensburg wird Kerzenblau wohl kaum Einzug erhalten. Man kann es sich aber zuschicken lassen (oder downloaden!) und die frohe Kunde von handgemachter Musik mit deutschen Texten jenseits des Mainstream verbreiten. Dazu wird hiermit aufgerufen. Von Herzen. (KubA)

http://www.basta-fou.de/

Hier gibt’s die CD:

http://www.basta-fou.de/2015/11/22/das-neue-album-es-ist-kerzenblau/

 

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Zum Tode David Bowies

Ich erinnere mich an eine Reihe von Konzerten. Lübeck 1997, Open Air, mit einer anschließenden Begegnung des Meisters im Backstage-Bereich. Ich sage „Was a great a show“ oder so etwas. Er lächelt freundlich, bedankt sich. Irgendwie nicht von dieser Welt und doch ganz menschlich. Dann Leipzig, im selben Jahr. Festivals, auf denen er mit Bands auftritt, die er alle irgendwie beeinflusst hat. Im selben Jahr das Clubkonzert in Hamburg, Große Freiheit 36. München 2002, Olympiahalle. 2003 dann die letzte Tour, seine längste überhaupt. Hamburg, Hannover. London! Wembley-Arena, ein Heimspiel. Schöne Erinnerungen.

Bowie, eines dieser Vorbilder, die einem den Weg zum Erwachsenwerden erträglicher gemacht haben. Zu einem Zeitpunkt, als der seine größten Erfolge bereits hinter sich gehabt hat. Gleich mehrere Generationen zu beglücken, und zwar nicht mit der immer gleichen, sondern immer neuer Musik, das schaffen nicht viele.

Die Künstler sind groß, die nicht nur in einem Genre zuhause sind, alles aufsaugen und sich für alles interessieren und alles in ihre Arbeit, die ganze Welt in ihre Kunst einfließen lassen. Der Künstler als Gesamtkunstwerk. Sich des Vorausgegangenen bewusst, aber schon in die Zukunft denkend, niemals stehenbleiben. Immer am Puls der Zeit, ohne dass es gezwungen daher kommt. Der Hang zur Selbstinszenierung nie als Mittel zum Zweck, die innere Zerrissenheit als Triebfeder. Und stets dieses Interesse für das Jenseitige, das Uneindeutige, das Plakative allenfalls ironisch ummäntelt. David Bowie war der Richard Wagner unserer Zeit. Nur etwas sympathischer.

Ein Ableben, das zu seinem Leben zu passen scheint: nur zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag, zwei Tage nach Erscheinen seines letzten Albums der plötzliche, für alle überraschende Tod. Ein düsteres Album als Abschiedsgeschenk. Ein letztes Video, das einen das Blut in den Adern gefrieren lässt. Der Künstler auf seinem Sterbebett, mit verbundenen Augen, sich immer wieder aufbäumend: „Look up here, I’m in heaven, I’ve got scars that can’t be seen“. Ein zweiter Bowie tritt aus einem Schrank heraus neben sein Bett und kritzelt nervös Sachen auf Papier, während unter seinem Bett ein menschliches (?) Wesen lauert. Dazu unendlich traurige Töne eines Saxophons. Doch es endet tröstlich: „Oh, I’ll be free, just like that bluebird, oh I’ll be free, ain’t that just like me“. Was für ein Abgang.

Der tief betrübte Fan kann sich immerhin noch eine Weile an seinem umfangreichen künstlerischen Erbe abarbeiten. Das verheißt viel Freude, viel Erkenntnis und Inspiration. Große Kunst eben. Doch bleibt man auch ein bisschen desillusioniert zurück – denn wem, wenn nicht ihm hätte man die Unsterblichkeit zugetraut. Das Jahr 2016 beginnt mit einer Ernüchterung. (KubA)

 

Krautinger – ein ganz spezieller Trank aus dem Tiroler Land

Diese Rubrik, „Geistvolles“ – man muss es so sagen – ist bislang auf das Schändlichste vernachlässigt worden. Von Schnaps-Tests war die Rede, Rankings, Empfehlungen – nichts von alldem ist bislang in die Tat umgesetzt worden. Der bahnfahrende Archäologe will keineswegs seine Mitverantwortung leugnen. Allerdings, wie soll man etwa einen einigermaßen repräsentativen Haselnussschnapstest durchführen, wenn einer der beiden Teilnehmer schon nach der dritten Verkostung die Segel streicht. Kann jemand, dessen Fahrtüchtigkeit auf nicht motorisierten Fahrzeugen bereits nach, sagen wir… vier halben Schnäpsen erheblichst eingeschränkt ist, noch mit dem Gaumen ermitteln, ob Haselnuss D einen geschmeidigeren Abgang hatte als Haselnuss B? Ob Haselnuss A wirklich pelziger am Zungenboden haftete als Haselnuss C. Und was ist mit Haselnuss G, H, I oder etwa… Y? Es gibt eine Menge guter Tropfen. Die Katzenphilosophin mag mich nun schelten, mir vorwerfen, ich würde Klischees von trinkfesten Mannen und nix vertragenden Weibsbildern bedienen. Fest steht, dass diese Rubrik bislang leer war und etwas passieren musste. Und deshalb hat sich der nicht nur kulturbeflissene, sondern auch kulinarischen Genüssen zugeneigte bahnfahrende Archäologe – um einen späten Anfang zu machen – auf ein, somit rein subjektives, Experiment eingelassen und sich einen Schnaps im Selbst- und Einzeltest vorgenommen.
Es handelt sich um eine Rarität aus dem nordöstlichen Tiroler Alpenland, einem Erholungsgebiet für im Sommer vorwiegend deutsche sowie im Winter englische und russische (Letztere tendenziell abnehmend – die Weltlage!) Wintersport-Touristen.
„Krautinger“ heißt das Gesöff, hergestellt aus der Weißen Stoppelrübe. Das Monopol zur Herstellung dieses Schnapses, dem sogenannten Krautingerbrennen, wurde den Bauern in der Wildschönau bereits von Kaiserin Maria Theresia verliehen, weil die Bergbauern in diesem Hochtal sehr arm waren. Das Dekret der Kaiserin sollte das ausgleichen. Mittlerweile produzieren von den anfänglich über 50 nur noch ungefähr 16 Brennereien regelmäßig oder gelegentlich den Krautinger. Man bekommt ihn in den hiesigen Wirtshäusern und Geschäften und er ist keineswegs preisgünstig, kein Billig- Destillat für den gemeinen Party-Touristen oder Doppelkorn-Ersatz für den deutschen Urlauber fernab der Heimat, eher etwas Besonderes für Leute mit Mumm in den Knochen! Und… Hornhaut auf dem Gaumen? Der populärste Pub der Region etwa trägt seinen Namen nach der Rübe – „Turnip Inn“. Und in der Getränkekarte steht neben dem Rübenschnaps geschrieben: „if you dare“ – wenn du dich traust. Dieser Zusatz nimmt wohl weniger Bezug auf eine verheerende Wirkung als Folge seines Genusses, sondern eher auf den, nun ja, ungewöhnlichen Geschmack. Vom Preis her eine Spezialität, wird er von den Touristen eher als eine Art Kult-Getränk konsumiert, das zwar unausstehlich schmeckt, aber für den dem Schnapskonsum zugeneigten Urlauber in der Wildschönau irgendwie dazugehört – ob nun unter Selbstüberwindung oder einem tatsächlich irgendwie empfundenen Genussgefühl. Bei wikipedia heißt es: „Der Krautinger wird von seinen Anhängern auch als eine wirksame Medizin bei Magenverstimmungen bezeichnet, er wird in der Wildschönau jedoch auch ‚so‘ getrunken. Für viele ist aber bereits der Geruch so ungewöhnlich, dass die wenigsten überhaupt ein Stamperl verkosten wollen.“ (Stamperl = Schnapsglas, Anm. des KubA). Nun, die erste Nase ist tatsächlich ungewöhnlich. Ein auf Birne, Zwetschge, Quitte oder Marille zum Abschluss eines schönen Essens eingestelltes Geruchsorgan dürfte hier zunächst erst einmal verstört reagieren. Was ist das? Vergorenes Sauerkraut? Ich fühle mich an Brottrunk erinnert, jenem heute noch immer erhältlichen und angeblich und mit Sicherheit urgesunden Getränk auf Vollkornsauerteigbrotbasis, das – dieses Forum hat sich nicht auf die Fahnen geschrieben frei von Vorurteilen zu sein – vorwiegend von Menschen konsumiert wird, die auf recht humorlose Art 100 Jahre alt werden wollen.
Der erste Schluck. Ich schaue beim Trinken zwar nicht in den Spiegel, habe aber eine recht konkrete Vorstellung von meiner Mimik. So in etwa stelle ich mir die Bowle vor, die der Comedian Erwin Pelzig in seiner Sendung („Pelzig hält sich“) seinen Gästen kredenzt. Jene allerdings soll angeblich alkoholfrei sein. Hier aber ist Alkohol drin (ca. 40 %) und das ist zunächst das einzig Positive, das es über diesen Schluck zu sagen gibt. So mag Medizin schmecken, die auch tatsächlich wirkt. Aber Genuss? Der zweite Anschein ist allerdings schon weit weniger abgeneigt. Es ist zumindest etwas Besonderes, nie zuvor hat man so etwas geschmeckt und der milde, weiche Abgang verrät, dass es sich keinesfalls um einen billigen Brand handelt. Dennoch, ein zweites Stamperl möchte man nicht unbedingt kosten. Das geleerte Glas fühlt sich gut an. Vielleicht morgen noch eines, aber nur vielleicht, denn es gibt ja auch wunderbare Obstbrände in dieser Gegend, und für den Preis, den ein solcher Rübenschnaps kostet, bekommt man hier von jener Art schon Beträchtliches. Als Digestiv nach einem deftigen Tiroler Essen kann man sich an die destillierte Stoppelrübe nicht nur gewöhnen, sondern ihr auch Delikates abgewinnen.
Fazit: Wer einmal in der wunderschönen Wildschönau im wunderschönen Tiroler Land zu Gast ist, sollte sich auf keinen Fall die Gelegenheit entgehen lassen, diese destillierte Super-Rübe an ihrem Ursprungsort – ob in Niederau, Oberau, Auffach oder im Alpbachtal – zu probieren. Und noch einmal über deren Geschichte nachzulesen. Maria Theresia, die armen Bergbauern, usw. Wer aber daheim, in der Holsteinischen Schweiz, der Lüneburger Südheide oder im östlichen Nordfriesland, anfängt, den Krautinger dem 20 Jahre alten Single Malt aus dem Schottischen Hochland vorzuziehen, dem ist wohl doch mit einiger Skepsis zu begegnen. Aber das ist einigermaßen unwahrscheinlich.
Mal abwarten, was die Katzenphilosophin dazu sagt. Einen wird sie wohl vertragen können. Wenn die Nase dem Gaumen noch die Chance gibt. (KubA)

Weiterführende Info unter:
http://www.wildschoenau.com/de/wildschoenauer-krautinger